Auf Stellensuche?!

Auf Stellensuche?!

Die anhaltend schwächelnde Konjunktur – auch im Maschinenbausektor – wirkt sich zwangsläufig auf den Marktwert der Bewerber und Absolventen aus. Folge: Die Stellensuche ist schwieriger geworden.


2. Juli 2026


Es ist noch gar nicht lange her, wir erinnern uns: Fachkräftemangel allerorten, auch im Maschinenbau! Absolventen von TU, TH oder Technikerschulen konnten sich die Stellen aussuchen. Der Arbeitsmarkt war quasi leer. Unternehmen – auch MGA – mussten sich hübsch machen, wie man so schön sagt, um Chancen auf Bewerbungen zu erhalten.

Den jungen Leuten wurde es leicht gemacht. Jeder hatte automatisch einen hohen Marktwert, bereits während des Studiums bemühten sich Industriekonzerne und KMU-Fertigungsbetriebe um den Ingenieurnachwuchs. Um es mit dem Wetter zu vergleichen: Das Thermometer zeigte 37 Grad – mindestens!

»Ich bin ja persönlich regelmäßig für MGA als Aussteller auf Jobmessen an Hoch- und Technikerschulen dabei«, so MGA-Inhaber Lorenz Arnold. »Vor wenigen Jahren war es noch so: Die Menge der Aussteller ist immer weiter angestiegen und es wurde teils extrem: An einer Technikerschule in Bayern beispielsweise gab es mehr Aussteller als Absolventen!«

Zu dieser Zeit seien Messestände richtiggehend aufgerüstet und jede Menge Giveaways verteilt worden. »Wir von MGA sind da weiterhin eher klassisch aufgetreten«, erzählt Lorenz Arnold. Die Mitaussteller beobachtend hat er sich dann aber schon mitunter die Frage gestellt: »Werden wir hier überhaupt noch wahrgenommen?«

Krisen verändern die Weltordnung

Und heute? Diese Extreme sind vorbei, der Druck aus dem Kessel ist weitgehend entwichen! Die Menge der zu besetzenden Stellen ist zurückgegangen und die Zahl derer, die sich neu orientieren, steigt. Dazu kommen die Betroffenen der vielfach angekündigten Stellenkürzungen, selbst bei der »Crème de la Crème der hiesigen Industrie«.

Der Arbeitsmarkt ist ein anderer, wobei prinzipiell ein Aspekt nach wie vor gilt: Fachkräfte fehlen weiterhin. Paradox? Ja und nein! Mit dem Eintritt der Boomer in den Ruhestand verschärft sich dieser Umstand. Trotzdem: Zahlreiche Stellen werden nicht neu besetzt, denn bekanntlich sind wir nicht mehr Maschinenbauland Nummer eins. Stattdessen hält man sich lieber zurück.

Im Sommer 2023 hat es begonnen, sagt Lorenz Arnold: »Zu der Zeit haben Kunden begonnen zu berichten, dass der Auftragseingang im Neumaschinengeschäft zurückgegangen ist. Dies hatte auch für MGA Folgen in Form von kürzeren Laufzeiten von Projekten sowie das Auslaufen von Projekten.« Der von MGA wahrgenommene Zeitraum decke sich mit den Angaben Dritter wie z. B. des VDMA oder der Wirtschaftspresse.

Die Ursachen sind vielfältig: der Pandemie-Stillstand, gestörte Lieferketten, dann der Beginn des Ukraine-Kriegs, explodierende Rohstoff- und Energiekosten, weitere Unsicherheiten etwa durch die Zollpolitik von Donald Trump und in den letzten Monaten die Blockade am Persischen Golf.

Das Geflecht aus Krisen hat die Weltordnung verändert – zulasten Europas. Während die »alten Industrieländer« versuchen, die vielen Probleme zu sortieren und sich in den Konflikten zu positionieren, haben die Mitbewerber aus dem Reich der Mitte die Lage genutzt, um aufzuholen. Mittlerweile spielt dort die Musik – nicht nur im Fahrzeugbau. Und wir blicken verwundert zu und lecken unsere Wunden.

Auch Bewerber müssen umdenken

Der Wandel betrifft also nicht nur die hiesige Industrie und ihre Zulieferer, sondern verändert automatisch auch die Position von Stellensuchenden. »Unternehmen sind wieder wählerischer geworden«, so Lorenz Arnold. Er nennt dafür zwei Gründe: »Es liegt nicht nur daran, dass die Unternehmen schlicht wieder wählerisch sein KÖNNEN, weil es mehr Bewerber gibt. Sie MÜSSEN es auch sein, weil auf ihnen ein höherer Erfolgsdruck lastet.«

Deshalb gibt er Bewerbern zwei Empfehlungen: »1. Besinnen Sie sich auf die Dinge, die einst für eine Bewerbung gegolten haben: saubere und vollständige Unterlagen, ein wirklich aussagefähiger Lebenslauf als zentrales Dokument, saubere Sprache. 2. Greifen Sie Elemente wieder auf, auf die die Unternehmen in Zeiten des Booms verzichtet haben: ein Anschreiben, eine aktuelle Portraitaufnahme in Fotografenqualität.«

Obwohl selbst MGA auf seiner Bewerberseite schreibt, dass ein Anschreiben verzichtbar sei, gibt er heute zu: »Wir (und andere) haben nicht aus innerer Überzeugung darauf verzichtet, sondern um die Latte für Bewerbungen niedriger zu hängen. Natürlich freuen wir uns, wenn ein Bewerber in der Lage ist, schriftlich zu erklären, warum er sich für den Job interessiert. Immerhin suchen wir Menschen mit Format als Mitarbeiter. Das Beherrschen von Sprache ist hierbei eines der zentralen Elemente.«

Ähnliches gilt für das Foto. Auch dieses ist schon immer wichtig gewesen. Dabei geht es nicht darum, nicht anhand seines Äußeren beurteilt zu werden. O-Ton Lorenz Arnold: »Hand aufs Herz: So tickt der Mensch nicht, ganz im Gegenteil. Er glaubt sehr wohl, anhand des Äußeren eines anderen Menschen sich eine erste Meinung bilden zu können, ob er diesen sympathisch findet oder nicht. Dazu kommt, dass gerade bei Aufgaben mit Kundenkontakt der Mitarbeiter buchstäblich das Gesicht des Unternehmens zum Kunden ist. Hier will sich ein Unternehmen frühzeitig davon überzeugen können, ob es passt.«

Wie gesagt: Arbeitgeber sind wieder wählerischer geworden!

»Bewerben Sie sich gezielt und nicht beliebig!«

Der wichtigste Ratschlag aus Sicht von Lorenz Arnold ist Folgender: »Bewerben Sie sich gezielt und nicht beliebig! Erfolgsversprechender, als sich gießkannenartig auf alles zu bewerben, was irgendwie passend erscheint, ist es, sich auf solche Positionen zu fokussieren, zu denen der eigene Werdegang, die eigenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen wirklich passen.«

Ein Beispiel gemünzt auf MGA: »Als Elektroingenieur könnten Sie ebenso bei MGA in der Inbetriebnahme für den Maschinenbau arbeiten wie auch in der Konstruktion von Kraftwerken. In beiden Fällen wird das Unternehmen eine Stelle als Elektroingenieur ausschreiben. Trotzdem wird in Zeiten wie diesen vermutlich nur derjenige in die engere Wahl kommen, der im gefragten Bereich Kenntnisse vorweisen kann.«

Folglich: »Melden Sie sich bei MGA, wenn Sie eine Qualifikation haben, die zu uns passt!«

Ein Spezialfall seien die Absolventen. Mangels Berufserfahrung haben diese es viel schwerer. Schließlich sei der Berufseinstieg laut Lorenz Arnold ein neuralgischer Meilenstein im beruflichen Werdegang. Absolventen rät er deshalb, die Empfehlungen noch konsequenter zu befolgen als die anderen:

»Führen Sie sich vor Augen: Selbst wenn Ihre Bewerbung noch von einem Menschen und nicht womöglich schon von einer KI einer ersten Prüfung unterzogen wird: Der Empfänger nimmt sich für die erste Sichtung und die Entscheidung ins Töpfchen / ins Kröpfchen nur sehr, sehr wenig Zeit. Ihre Unterlagen müssen also so sein, dass der Leser spontan sagt: ›Klingt gut. Den Bewerber möchte ich gerne kennenlernen.‹ Wenn er sich Zeit für ein Gespräch mit Ihnen nimmt, dann haben Sie schon viel gewonnen.«

Lorenz Arnolds Fazit: »Der Markt ist schwierig – für Bewerber, aber auch für Unternehmen. Unternehmen wünschen sich nichts sehnlicher als eine gute Auftragslage, die es ermöglicht, neue Leute einzustellen. Stellensuchende wiederum wünschen sich potenzielle Arbeitgeber, die im Falle einer passenden Bewerbung bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen.«

Und weiter: »Wirtschaftlicher Erfolg ist für beide Seiten gut. In dem Punkt sitzen wir alle im gleichen Boot.«

Bemerkung zum Schluss: Persönliche Erfahrungen bis hin zu den Erkenntnissen aus der Weltgeschichte – und da sind wir wieder beim Wetter – zeigen: Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.

(Die Fotos entstanden an der privaten Technikerschule Teutloff in Braunschweig – vielen Dank für die freundliche Überlassung.)


Hinweis zu unseren Blogbeiträgen: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwenden wir im Textverlauf die männliche Form der Anrede. Selbstverständlich sind bei MGA Ingenieurdienstleistungen GmbH Menschen jeder Geschlechtsidentität willkommen.